Mit der Einzelausstellung alpha
floor des schweizer Malers Pierre Juillerat setzt dr. julius
| ap sein
Programm Neuer Konkreter und Konstruktiver Kunst konsequent fort. Seine
Arbeiten
erweitern dabei das Spektrum der bei dr. julius | ap vertretenen
Künstler um
eine streng geometrisch-malerische Position.

Juillerats Werke zeigen zumeist Streifen- und Linienstrukturen, die
in jeweils sehr eigener Farbigkeit mit höchster
Präzision auf unterschiedliche
Bildträger gesetzt sind. Durch die Orientierung auf weit
außerhalb der
Bildfläche liegende Fluchtpunkte wirken diese Strukturen dabei
oft wie
Ausschnitte aus größeren, räumlich weiteren
Zusammenhängen. Dass durch
Verschiebungen der Fluchten diese perspektivische Wirkung teils
irritiert und
so geometrische Gesetze auch gebrochen werden, steigert dabei noch den
Eindruck
der weiten Räumlichkeit.
Pierre Juillerat, geboren 1967 in Bern, hat an der ETH Zürich
ein
Studium der Architektur absolviert und anschließend eine
langjährige Tätigkeit
als Pilot von Verkehrsflugzeugen ausgeübt. Die parallel dazu
eigenständig vollzogene
Entwicklung seiner geometrischen Malerei hat Impulse aus beiden Feldern
erhalten. Das Gegenüber von fest Gefügtem,
geometrisch Geplantem und einer
lichten dynamischen Klarheit ist in seinen Arbeiten in jedem Fall
offensichtlich.
Pierre Schwerzmann, Maler und Lehrer für Gestaltung, merkt
dazu an:
Die menschliche Wahrnehmung der automatisierten Bewegung, wie beim
Instrumentenflug, die feindliche Umgebung großer
Höhen, die
den Farben ihre eiskalte und erkaltete Temperatur beschert und die
Legierung der Materialien begründet, prägen die
Arbeit von
Pierre Juillerat. Die für die Geschwindigkeit konzipierten
Aluminiumbleche sind einer Dekontextualisierung der Luftfahrt
entnommen; sie stoßen sich an der Langsamkeit des Malaktes.
Es
ist eine Technologie in Serie, die der primitiven und einzigartigen
Aktion des Malers gegenübersteht. Seine Gemälde
versuchen,
außerhalb ihrer eigenen Grenzen zu existieren. Über
die
Kanten fließende Farben bilden Übergangsbereiche.
Nicht-Vorhandenes und Leere sind ebenso bestimmend wie die sichtbaren
Partien des Werkes. Was wir hier vor Augen haben, ist eine einzigartige
und spezifische Vision der Leere und der Spannung, die von einer
augenscheinlichen Ruhe ausgeht.
Der renommierte Kunstwissenschaftler Matthias Bleyl, Professor an der
Kunsthochschule Weißensee, schreibt zu den Arbeiten:
Das konstruktive Potential, das Pierre Juillerats scheinbar
perspektivische Malerei enthält, prädestiniert sie
geradezu
für eine Expansion in den Realraum, wozu bereits
Ansätze im
Entwurfsstadium existieren. Seine Arbeitsweise, die auch verschiedene
starre Bildträger, wie Aluminiumbleche oder Plexiglasplatten
einbezieht, bietet sich für die Herstellung dreidimensionaler,
aber zugleich malerischer Objekte jedenfalls an. Dieser Schritt
wäre, angesichts der bisherigen Entwicklung des malerischen
Werks,
überaus konsequent, und wahrscheinlich ist es nur eine Frage
der
Zeit, bis er vollzogen wird. Einstweilen bleiben aber nur die
Gemälde mit ihren scheinbar komplizierten Verschachtelungen
und
gebrochenen Räumen, die sich jedoch immer ebenso als reine
Flächenmalerei zu erkennen geben.
Eröffnung am 2. September 2010, 19 Uhr
Laufzeit 3. September bis
2. Oktober 2010
Geöffnet Do – Sa 15 – 19 Uhr
sowie täglich nach Absprache
www.pierrejuillerat.com
